"Ökumenisches Netz"

Koblenz, 12. August 2020.

Mit seinem neuen Papier „Den Kapitalismus als Ganzes überwinden“ treibt
das Ökumenische Netz Rhein-Mosel-Saar seine Kapitalismuskritik weiter
voran. Das hat seinen Grund in den aktuellen Entwicklungen: Der
Kapitalismus zerstört das Leben von Menschen und die natürlichen
Grundlagen des Lebens immer nachhaltiger. Die Corona-Pandemie fiel
mitten hinein in diese Zerstörungsprozesse und trifft diejenigen am
härtesten, die darunter am meisten zu leiden haben – von den Kranken,
die in kaputt gesparten und privatisierten Gesundheitssystemen landeten,
bis hin zu den Armen und Geflüchteten weltweit.

Die sich verschärfenden Krisen drängen dazu, den Kapitalismus als
Gesellschaftsform und im Verlauf seiner Krisendynamik zu verstehen und
zu kritisieren. Er kann nur überwunden werden, wenn verstanden ist,was
denn überwunden werden muss. Dennoch flüchten sich viele soziale
Bewegungen in einen Pragmatismus, der mit theoretischem Nachdenken nur
wenig zu tun haben will. Dem will das Ökumenische Netz entgegen wirken.
Mit seinem neuen Text, der das vor 15 Jahren erschienene Papier „Das
Ganze verändern“ auf die aktuelle Situation hin weiterführt, will es
Reflexion und Nachdenklichkeit stark und damit deutlich machen, dass die
Perspektive sein muss: Den Kapitalismus als Ganzes überwinden!

In der 22-seitigen Broschüre sind die Diskussionen der letzten Jahre
während mehrerer Versammlungen des Ökumenischen Netzes zusammengefasst:
der Verlauf der Krise in ihren Erscheinungsformen (historische
Entstehung, Kriege, Ausbeutung, Umweltzerstörungen, Unterdrückung von
Frauen, ideologische Rechtfertigungen…). Darin spiegelt sich wider, wie
diese Diskussionen im 'Netz' im Zusammenhang mit dem 'Ganzen' der
Verhältnisse sowie einer theologischen Reflexion stehen. Die
jüdisch-christliche Tradition wird als eine 'subversive Erinnerung'
verstanden, die Einspruch erhebt gegen die geschlossene Immanenz
geschichtlicher Herrschaftssysteme und die vermeintliche Endgültigkeit
des Todes. Analyse der Gegenwart und geschichtliche Erinnerung leben von
der Überzeugung, dass eine Praxis, die nicht nur 'etwas' machen will,
sondern in der Erinnerung an die Opfer von Unrecht und Gewalt auf die
Überwindung der tödlichen Herrschaft des Kapitalismus zielt, die Melodie
der Verhältnisse begreifen muss, die sie überwinden will.

Mit der neuen Veröffentlichung des Ökumenischen Netzes ist derWunsch
verbunden, mit interessierten Gruppen und Netz-Mitgliedern in einen
verstärkten inhaltlichen Austausch über 'Theologie und Kirche'sowie
über die aus ihrer Sicht wichtigen Phänomene (von Antisemitismus, Armut,
Ausgrenzung über Flucht, Militarisierung bis Rassismus, Sexismus und
Umweltzerstörungen…) im Zusammenhang der globalen kapitalistischen
Zerstörungsdynamik zu gelangen.

Die Broschüre kann im Netzbüro bestellt und unter
www.oekumenisches-netz.de heruntergeladen werden. Der Text liegt bereits
in portugiesischer Übersetzung vor
(https://www.oekumenisches-netz.de/wp-content/uploads/2020/04/Ganze_final-PT.pdf)
und soll in weitere Sprachen übersetzt werden.